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01.06.2017

Sektoruntersuchung

Verhalten marktbeherrschender Submetering-Anbieter ruft Bundeskartellamt auf den Plan

Fehlender Wettbewerb lautet der Vorwurf des Bundeskartellamtes in Richtung der marktführenden Submetering-Anbieter, die für eine verbrauchsabhängige Erfassung und Abrechnung von Heiz- und Wasserkosten in Gebäuden und die Bereitstellung der erforderlichen Zähler zuständig sind.

Die Behörde kritisiert in ihrem Abschlussbericht das Verhalten der marktführenden Submetering-Anbieter: Dem Kunden werde ein Anbieterwechsel erschwert und der Wettbewerb damit unzulässig begrenzt. Die Empfehlung des Amtes lautet daher, interoperable Zähler zu installieren und die Hemmnisse so abzubauen.

Neben wirtschaftlichen Vorteilen führt das vor allem zu mehr Flexibilität bei der Systemwahl. „Außerdem erhalten die Wohnungsunternehmen endlich die notwendige Autonomie, die Energie- und Verbrauchsdaten selber auszuwerten. Das ist zwingende Voraussetzung, wenn beispielsweise strategische Maßnahmen zur Energieeinsparung in einem Quartier erfolgreich umgesetzt werden sollen“, so Frank Molliné, Geschäftsführer des Spezialisten für Verbrauchsmesstechnik WDV-Molliné. 

Kartellverfahren noch offen

Zur Untersuchung von Struktur und Verhalten von Marktteilnehmern eines Wirtschaftszweiges, nutzt das Bundeskartellamt als Instrumentarium die sogenannte Sektoruntersuchung. Monopol-Ermittlungen gegen bestimmte Unternehmen sind zwar davon losgelöst, können jedoch daraus folgen.   

Was den aktuellen Untersuchungsbericht für den Markt der Ablesedienstleistung von Wärme- und Wasserverbräuchen (inklusive Überlassung der benötigten Messgeräte) betrifft, lässt das Bundeskartellamt bisher noch offen, ob Verfahren gegen die Marktführer gemäß der §§ 18 und 19 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) eingeleitet werden. In § 18 des Gesetzes ist der Sachverhalt der Marktbeherrschung, in § 19 verbotenes Verhalten von marktbeherrschenden Unternehmen definiert.

Hauptkritikpunkt: herstellergebundene Systeme

Laut Bundeskartellamt lasse die Sektoruntersuchung mindestens auf ein Duopol der beiden führenden Marktteilnehmer (mehr als 50 Prozent Marktanteil) beziehungsweise auf ein Oligopol der fünf größten Anbieter (mehr als 70 Prozent Marktanteil) schließen.  

Die Liste der zahlreichen Wettbewerbshemmnisse ist lang. An erster Stelle führt das Amt die nicht vorhandene Interoperabilität von Zählern der Marktführer auf. Ferner werde durch lange Vertragslaufzeiten, die teils aus unterschiedlichen Eichfristen und Nutzungsdauern der Verbrauchsmessgeräte resultieren, ein Anbieterwechsel erschwert. Die Wettbewerbshüter ermittelten, ohne Zusatzkosten sei das nur alle 30 (!) Jahre möglich.

Kritikpunkt Nummer drei: intransparente Vergabepraxis. An dieser Stelle wird vom Bundeskartellamt eine Ausschreibungspflicht gefordert. Da bei den Auftraggebern (beispielsweise Wohnungsunternehmen) die ansonsten übliche Preissensibilität oft fehlt, ist dieser Punkt besonders wichtig. Weil überhöhte Erfassungs- und Ablesekosten umlagefähig sind, bezahlen dann nicht die Gebäudeeigentümer die Rechnung des Ablesedienstes, sondern der Mieter. Die hier von der Behörde geforderte Zunahme an Transparenz für die Mieter ist schlussendlich jedoch auch im Interesse der Wohnungsunternehmen. Grund: niedrige Mietnebenkosten sind (gerade bei einem Wohnungsüberangebot) entscheidende Argumente für die Vermarktung.

Interoperabilität von Zählern bereits jetzt möglich

Per Funk auslesbare Zähler haben in den letzten Jahren zunehmend Verbreitung gefunden. Dadurch konnte sich auch die Bindung an einen Dienstleister massiv verstärken. Ist ein Anbieterwechsel geplant, muss auch ein Wechsel der Zähler erfolgen, da Funkprotokolle und Auslesesoftware zu den geschlossenen Systemen der jeweiligen Marktführer gehören und für Dritte nicht offen sind.
Gegenüber dem Bundeskartellamt wurden von einzelnen Submetering-Unternehmen Bedenken vorgebracht, die sich auf den Datenschutz beziehen und ein Abschottungsverhalten auch mit dem erforderlichen Schutz der jeweiligen Unternehmens-Innovationen auf dem Gebiet der Zählersysteme begründet.  

Ausreichend offene Systeme vorhanden

Verbrauchsmengenerfassung in Wohngebäuden mit interoperablen Zählern

Frank Molliné, Geschäftsführer des Submetering-Anbieters WDV-Molliné aus Stuttgart, widerspricht dieser Argumentation: „Es sind ausreichend offene Systeme wie M-Bus, KNX, BACnet, LonMark und viele weitere im Markt vorhanden. Mit wireless M-Bus lassen sich beispielsweise sehr zuverlässige, sichere Funkstrecken für die Fernauslesung von Zählern herstellen. Der wireless M-Bus ist genormt gemäß EN 13747-4 und dem Open Metering System (OMS). Das ist ein herstellerunabhängiger und interoperabler Standard, der allen Abrechnungsdiensten zur Verfügung steht und mit dem WDV-Molliné bereits seit mehreren Jahren arbeitet.

Da zu unseren Dienstleistungen nicht nur die Beratung und Bereitstellung passender Zähler gehört, sondern auch der Aufbau von Messstellenkonzepten, bevorzugen wir sogar ausschließlich offene Systeme. Denn so können wir flexibel auf die jeweilige Gebäudesituation reagieren und nach Kundenwunsch eine Energiemengenerfassung aufbauen“, erklärt der Experte für Verbrauchsmesstechnik.

Sind Wohnungsunternehmen daran interessiert, sich aus der Preisspirale der marktbeherrschenden Ablesedienstleister zu befreien, hat Frank Molliné folgende Empfehlung: „Ein Vermieter oder Liegenschaftsverwalter muss bei der Wechselentscheidung das Wirtschaftlichkeitsgebot des § 556 Abs. 3 BGB beachten. Das steht auch im Abschlussbericht der Sektoruntersuchung des Bundeskartellamtes. Weil aber mit einem Anbieterwechsel aufgrund diverser Hemmnisse der großen Ablesedienstleister ein Zähleraustausch verbunden ist, rechnet sich das erst nach Ablauf der Eichfrist. Aber diese Chance sollten Wohnungsunternehmen auf jeden Fall direkt nutzen. Es lohnt sich nicht nur finanziell für die Mieter, sondern bringt generell mehr Unabhängigkeit und Zukunftsfähigkeit mit Blick auf das angestrebte Smart-Metering. Außerdem erhalten die Wohnungsgesellschaften so ihre Datenhoheit zu eigenen Analysezwecken zurück.“

Auch für das Ablesen in Eigenregie stehen sehr einfache, offene Systeme zur Verfügung. WDV-Molliné bietet beispielsweise für die Fernauslesung das System „Sysmess® S1“ an. Die notwendige Software kann auf handelsüblichen Notebooks oder ähnlichen Geräten installiert werden. Teure Auslesegeräte sind nicht erforderlich. Ferner legt WDV-Molliné seinen Kunden die Datenübertragungsprotokolle offen. Überdies ermöglicht die Software den Datenexport per CSV-Format in andere Programme.

Für weitere Informationen:
www.bundeskartellamt.de


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